Es gibt Tiere, wie der Haifisch, die sich keine Gedanken um ihre Zähne machen müssen. Denn beim Hai wachsen abgebrochene Zähne einfach nach. Jahrhundertelang mußten wir Menschen hingegen uns damit abfinden, daß ein verlorener Zahn auch für ewig verloren blieb – bis vor wenigen Jahren. Heute werden künstliche Wurzeln in den Kiefer eingepflanzt. Das ist recht unproblematisch und zudem weitgehend schmerzfrei.
Der Verlust von Zähnen hat die Menschheit schon immer sehr bewegt. Von jeher ist es der Wunschtraum des Menschen, nach Verlust eigener Zähne Mittel und Wege zu finden, um den natürlichen Zustand wiederzuerlangen. Deshalb findet man bereits bei den Etruskern (600 Jahre vor Christus) die ersten Zahnersatzkonstruktionen. Auch hat man bereits antike Schädel gefunden, in die fremde Zähne implantiert waren.
Im Laufe der Zeit hat sich die Form der Implantate sehr geändert. Mittlerweile werden fast ausschließlich Implantate in der Schraubenform oder in der Zylinderform verwendet.
In Deutschland wurde die Implantologie im Jahr 1982 wissenschaftlich anerkannt und ist in ihrem praktischen Einsatz jetzt voll ausgereift. In 10-Jahresstudien liegt die Erfolgsquote der Implantologie durchschnittlich über 95%. Diese Erfolgsquote wird von keiner anderen Disziplin in der Zahnheilkunde erreicht.
Implantate sind kleine Pfeiler aus Titan die als Zahnwurzelersatz in unbezahnten Kieferknochen eingesetzt werden. Dieses Material ist für den menschlichen Organismus recht unkompliziert und zeigt phantastische werktechnische Eigenschaften. Die Implantate bestehen aus zwei Teilen: einem Teil, der im Kieferknochen versenkt wird und einem Teil, der frei in die Mundhöhle hinausragt - der Pfosten auf dem der Zahnersatz verankert wird.
Entscheidend für die Auswahl des Implantates ist das Knochenangebot, die Knochenfestigkeit und der Zeitpunkt der Implantation. Für die Implantation muß stets genügend Knochen in Höhe und Breite vorhanden sein. Ist dies nicht der Fall, so muß das Implantatbett durch Augmentation verbessert werden. Der Knochen hat nach unterschiedlichen Örtlichkeiten eine andere Festigkeit. Diese muß bei der Auswahl des Implantates berücksichtigt werden.
Heute ist es möglich ein Implantat direkt nach dem Zahnverlust zu implantieren und die Lücke zu versorgen . Bei der Sofortimplantation werden Implantate verwendet, die in ihrer Form natürlichen Zahnwurzeln ähneln. Allgemein gilt der Grundsatz, ein Implantat so früh wie möglich zu setzen. Denn ist ein Zahn verloren, so fehlt an dieser Stelle die Kaubelastung und der Kieferknochen bildet sich hier zurück.
Ein idealer Implantationszeitpunkt für die verzögerte Implantation ist vier bis sechs Wochen nach der Extraktion. Dann hat sich die Wunde bereits regeneriert, aber es ist erst wenig Knochenschwund eingetreten. Fehlt ein Zahn schon lange, so hat sich der Knochen schon weit zurückgebildet und es sind häufig Maßnahmen zur Augmentation(Knochenaufbau) notwendig (Spätimplantation).
Meist anhand eines Fragebogens wird Ihr allgemeiner Gesundheitszustand abgeklärt. Hier werden Fragen gestellt zu früheren und akuten Krankheiten, welche Medikamente Sie einnehmen und wie Sie sich fühlen. Auch eine internistische Diagnose wird in der Regel eingeholt. Der Zahnarzt selbst untersucht Zahnfleisch, Zähne und Kieferknochen. Dazu werden Röntgenaufnahmen und Gipsmodelle von den Kieferhälften angefertigt. Zu den ersten einleitenden Schritten gehört dann auch eine professionelle Zahnreinigung, bei der alle Beläge und Zahnstein entfernt werden. Auch die kariösen Stellen müssen zuvor konservierend versorgt werden.
Das Einbringen der Implantate in den Kiefer wird meist unter örtlicher Betäubung und unter sterilen Bedingungen ausgeführt. Dabei tragen Arzt und Assistenz OP-Kleidung. Sie selbst werden mit sterilen Tüchern abgedeckt. Das Setzen ist für Sie als Patient völlig schmerzlos.
Unter örtlicher Betäubung wird die Schleimhaut bei Seite geschoben und es wird dann mittels eines kleines Vorbohrers und einer Bohrschablone, welche die genaue Bohrrichtung vorgibt, eine kleine Höhle in den Knochen präpariert. Diese wird dann mit entsprechenden Instrumenten etwas erweitert bis sie exakt dem Implantatkörper entspricht, der nun passgenau in den Kieferknochen eingesetzt werden kann. Danach wird die Implantatstelle wieder verschlossen, damit das Implantat in Ruhe einheilen kann.
Sicher gibt es auch einige Kontraindikationen für das Setzen von Implantaten wie der ungeregelte Diabetes, eine Störung der Blutgerinnung, Knochenerkrankungen, allergische Erkrankungen, Einnahme von Immunsupressiva und dergleichen mehr – aber Ihr Arzt wird das zu allererst mit Ihnen abklären. Das Alter spielt hingegen keine entscheidende Rolle. Allerdings sollte bei Jugendlichen eine Implantation erst nach Abschluss des Wachstums erfolgen. Auch Raucher zählen zu den Risikogruppen, bei denen der Erfolg für die Einheilung und den Erhalt des Implantates statistisch deutlich geringer ist.
Alle Texte und Bilder Copyright © Dr. Wolfgang Poloczek 2010